“Geschäftlich völlig normal”: Nach Kritik von Verbraucherschützern an Produkt- und Preispolitik wehren sich die Investoren der Vox-Show “Die Höhle der Löwen”.

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Kratzer auf dem Smartphone, wen nervt das nicht? Zuschauer der erfolgreichen Vox-Show „Die Höhle der Löwen“, in der Gründer und Erfinder um die Gunst von Investoren buhlen, wussten sich zu helfen. „Protect Pax“, eines der in der Show vorgestellten Produkte, das am Tag nach der Sendung bei Amazon zu finden war, warb mit „100 Prozent Bruch- und Kratzsicherheit“, selbst bei „Hammerschlägen“. Dumm nur, dass „stern TV“ dieses Versprechen beim Wort genommen und vor laufender Kamera das Display eines mit dem Mittel behandelten Handys zerdeppert hat. Das ist nicht die einzige Irritation aus der „Höhle der Löwen“.

Unter der Überschrift „Endstation Grabbeltisch“ hatte sich die Verbraucherzentrale NRW in der vergangenen Woche kritisch mit den aus der „Höhle der Löwen“ bekannten Produkten auseinandergesetzt. „Wer am Morgen nach der Sendung in die Geschäfte läuft, findet, wie von Zauberhand, die gerade erst vorgestellten Ideen fix und fertig produziert in den Regalen“, heißt es in der Mitteilung, und wer sofort zugreife, müsse seine Neugier oft mit hohen Preisen und auch Enttäuschungen bezahlen.

Die Preise erinnerten „eher an Tiger, die als Bettvorleger landen“, so der Tenor. Als Beispiel zieht die Verbraucherzentrale Preise heran, die im Laufe der Zeit deutlich gesunken seien. Zudem sei es befremdlich, dass das Logo „Bekannt aus der Vox- Gründer-Show“ auch auf in der Show durchgefallenen Produkten zu finden sei.

Starker Tobak, worauf sich am Wochenende Ralf Dümmel, einer der sechs „Löwen“ neben Carsten Maschmeyer oder Frank Thelen, zu Wort meldete. „Ich bin wahnsinnig enttäuscht, weil ich die Verbraucherzentrale für seriös gehalten habe“, sagte der Unternehmer und Investor der „Rheinischen Post“. Dass Preise mitunter deutlich sinken, sei normal. Man sollte dort eigentlich wissen, dass der Verkaufspreis weder von einem Gründer noch von einem Löwen, geschweige denn einer TV-Sendung vorgeschrieben werden darf, weil das Kartellrecht klar regelt, dass der Handel frei in seiner Preisgestaltung ist. Niemand mache ein Geheimnis daraus, dass es Produkte gibt, die nicht funktionieren. „Soll man die Produkte in die Elbe kippen? Das ist geschäftlich völlig normal, dass man Waren auch mal reduziert.“

Die Preisgestaltung liege nicht in den Händen des Senders
Inzwischen haben die Verbraucherschützer zurückgerudert. Man wolle nicht vor „Löwen“-Produkten warnen oder ein negatives Bild vermitteln. Es sei darum gegangen, Käufer vor einer zu schnellen Entscheidung zu warnen, sagte ein Sprecher zu RTL. Dass die Produkte am ersten Tag nach der Show im Handel auftauchen, kann man der „Höhle des Löwen“ nicht vorwerfen. Die Show wird bis zu sechs Monate vorab aufgezeichnet. Die Produktion weist darauf hin, der Verbraucher bekomme die Möglichkeit, ein Produkt, welches er in der Sendung gesehen hat, direkt am nächsten Tag, wenn gewünscht, käuflich zu erwerben.

Viel Lärm um nichts also? Heikel bleibt die Sache mit dem goldenen Produkt-Logo. „Wir haben 86 offiziell lizensierte ,Die Höhle der Löwen’-Produkte“, sagte eine Sprecherin der RTL-Gruppe. Die Preisgestaltung liege nicht in den Händen des Senders. Nur Produkte, die in der Sendung auch einen „Deal“ abgeschlossen hätten, erhalten die Möglichkeit, das „DHDL“-Logo zu lizensieren. Der Sender verdient an der Lizenzierung. Wer keine offizielle Lizenz hat oder ein Logo „selber“ kreiert, werde von der Mediengruppe RTL abgemahnt.

Konkret wird das am Falle von „Das Kaugummi“, ein zuckerfreies Produkt, das auf ungewöhnliche Geschmacksrichtungen wie Orange oder Ingwer setzte, bei dem kein „Deal“ in der TV-Show zustande kam. „ Das Produkt wirbt weder auf seiner Seite, noch im Handel mit dem Logo. Somit haben wir da keinen Ansatzpunkt“, sagte die Sprecherin. Bei Amazon tauche allerdings in der Tat ein Logo auf, allerdings nur bei einem Anbieter. Der werde von der RTL-Gruppe abgemahnt, dies zu unterlassen.

Dem Erfolg der „Höhle des Löwen“ dürfte das keinen Abbruch tun. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen erzielte die Show zuletzt 18,8 Prozent Marktanteil. Es lohnt sich aber, bei Produkten, die aus der TV-Show in den Handel kommen, genauer hinzuschauen, Stichwort Amazon-Bewertung, nicht nur beim zertifizierten Smartphone-Schutz.

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